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Über die Kunst von László Ezékiel Vecsei
 
Die produktive Malerlaufbahn von László Ezékiel Vecsei hat einen langen Weg hinter sich. Auf seinen Gemälden ist die Vielseitigkeit reifer Themen und Techniken zu beobachten. Der verblüffende schöpferische Ausdrucksdrang, der das Leben von Vecsei ausfüllt und mit Kraft erfüllt, ermöglicht seiner Malerei sich immer wieder zu erneuern. Ich glaube, dass die Innovation, die Invention die Schlüsselwörter sind, mit denen seine Kunst am besten zu charakterisieren ist. Er folgt keinen Trends, Tendenzen, sondern passt sich an universelle Zeit und Gefühle an, die sich in den Abbildungen seiner eigenen inneren Welt widerspiegeln. Seine Gemälde sind voller Leben. Dank der Farben, Formen und aufblitzenden Scheinen nehmen wir meistenteils selbst die Gegenstände als organische Körper wahr.
 
Ein Wiederkehrendes Motiv in der Malerei von Vecsei ist das Seelenschiff. Das Schiff, die Arche kennen wir seit langem als literarische Symbole. Bis jetzt konnten wir sie aber in der bildenden Kunst nicht so ausgeprägt entdecken, wie in den Bildern von Vecsei, wo wir das Schicksal des Seelenschiffes von der Geburt bis zur Landung an der Küste beobachten können. Seelenschiffe werden tief im Wasser geboren, geschmiedet, wo sich die Teile der Maschinerie (Keile, Schrauben) als Lebewesen am Schiff festhalten, es zurückhalten. Seelenschiffe müssen im Gewässer des Lebens bestehen, sich während der Reise durchkämpfen. Die bringen Bewegtheitund Vitalität auf die monochromen Flächen. Die scharfen Konturen, und spitzen Buge der Barken stehen in einem krassen Gegensatz zu der Stumpfheit und Flexibilität der anderen Meeresformen. Dieser Kontrast ist schon auf dem Bild „Die Geburt eines Seelenschiffes“ zu beobachten, das zugleich die malerische Arbeit und Wertschöpfung ausdrückt: aus dem sandsteinartigen Material wird ein blütenweißes Marmorschiff angefertigt. Während der Sandstein vom Wind verweht oder vom Wasser weggeschwemmt wird, ist der Marmor das Edelmaterial, das in jedem Zeitalter benutzt wurde und wegen seiner Zeitbeständigkeit uns ermöglicht die Werke daraus heute noch zu bewundern. Das Gemälde von Vecsei suggeriert, dass es nicht zu wissen ist, was zu einem wertvollen Werk wird. Der individuelle, innovative Künstler kann aus jeder Sphäre stammen. Das Bild Ararat4. stellt das Gegenpol, das Ankommen dar. Es symbolisiert die Arche Noah, als sie im Gebirge Ararat landete. Womöglich ist dieses Bild das harmonischste in diesem Thema: Das zu Kolossen vergrößerte statuenhafte Wellen heben das Seelenschiff auf.
 
Wie auf den Seelenschiffen, gibt es auch auf den Bildern der „Illusionen“ viele Darstellungen, die Verwirrung stiften. „Der Bohrer“, befreit von seinem gegenständlichen Wesen, setzt sich aus Ranken, Zweigen zusammen. Er ist gleichzeitig der Feind von sich selbst und von anderen, er ist das Musterbild der Verwüstung. Das Thema, der Naturalismus und die Farbenwahl des Bildes sind überraschend, der Maler wendet sich von seinen bevorzugten Pastellfarben ab. Die „Illusionen“ erwecken die Fantasiewelt und regen uns, Rezipienten zum Versuch an, uns in der Vielheit der Formen zurechtzufinden und Ordnung zu schaffen.
 
Auf den Bildern der „Konstruktiven Gefühle“ gibt es schon weniger bekannte Formen, der abstrakte Ausdruck ist dominierend. Die Unterwasserwelt vergeht, an ihrer Stelle treten im ätherischen Raum schwebende Moleküle und geometrische Körper. Für den Künstler charakteristische Bewegtheit und Vitalität bleibt jedoch erhalten. In der Serie „Wahrkonstruiert“ straffen sich die Moleküle, die Geflechte der Seele im Raum. Unendliche Lebenskraft verbirgt sich in denen und sie sind gleichzeitig Träger der Determiniertheit, sie können ja aus der Struktur, die sie mit einander verbindet, nicht ausbrechen. Mit dieser Serie deutet Vecsei auf die begabten und unermüdlichen zeitgenössischen Maler, deren kunstverständige und kunstgenießende Publikumsschicht sehr klein ist, da sie sich, wie Vecsei, nicht dem allgemeinen Geschmack unterwerfen und ihre Persönlichkeit nicht aufgeben. Für sie ist die künstlerische Freiheit immer wichtiger, als Popularität. Auch Vecsei kann nur so schaffen und so werden seine Werke Träger wahrer Werte.
 
Auf den Bildern der „Reduzierten Elemente” versinnlicht Vecsei die Formen nur noch mit Konturen. Die männlichen und weiblichen Symbole werden als Seelenschiffe, menschliche Körper oder in Form  von Vögeln dargestellt. Der Maler vermag auch mit solch einfachen Linien und homogenen Farbflecken tiefe Gefühle, die Zusammengehörigkeit Gemeinschaften, oder die Verbundenheit zwischen zwei menschlichen Körpern und Seelen auszudrücken. Die Bindung, Verspieltheit und Körperlichkeit erscheinen gleichermaßen auf den Bildern. Ein schönes Beispiel der emotionalen Verbundenheit ist das Bild “Darf ich mit dir gehen, wenn du mich verlässt?“ wo ein Seelenschiff neben einem anderen wegschwimmt, das aber sich weiterhin daran festhaltet. Der Tanz des Vogelpaares, ihre ineinander verflochten Flügel drücken große Freude, die Figuren des Vehementen körperliche Zuneigung aus.
 
Nach so vielen Themen und Farben stellt uns Vecsei die „OSB Welt“ vor. Auf diesen Bildern können wir wiederum viele Neuigkeiten beobachten. Die Textur der OSB-Platte mit ihren übereinander liegenden Schichten und Holzsplitter ermöglicht dem Maler weiter zu experimentieren, den 3D Effekt zu erreichen. Hier sind die Formen und die vielen kleinen Splitter gegeben, der Maler bildet mit Hilfe der Farben immer andere bildliche Effekte.
Seine Kunst ist imstande sich immer wieder zu erneuern….
 
In diesem Katalog, obwohl er nur einen Bruchteil der Werke des Künstlers enthält, finden Sie die wichtigsten Motive in der Kunst von László Ezékiel Vecsei. Durch die Motive enthüllen sich seine Weltanschauung, sowie seine Interpretation des eigenen Künstlerschicksals. Ich bin mir sicher, dass seine Gemälde immer eine Wirkung bei jemandem auslösen werden, dass jemand immer auf sie stoßen wird und sich an  sie erfreut.

Éva Tornallyay

Kunstgelehrte